Nachrichten aus der Arbeitswelt – Folgen der Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015

 

Mit der Einführung des Mindestlohns 2015 gingen viele Zweifel, Ängste aber auch Hoffnungen einher. Hier erhalten Sie einen näheren Blick auf die Entwicklung des Mindestlohns und die Auswirkungen für die Deutsche Wirtschaft.

Die Neuigkeiten zum Mindestlohn zusammengefasst:

  • Die Beschäftigungsstruktur verändert sich. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wächst weiter, dagegen ist die Zahl der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse 2015 gesunken.
  • In vom Mindestlohn betroffenen Bereichen wurden in bedeutendem Maße geringfügige Beschäftigungsverhältnisse in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt.
  • Die Zahl der Erwerbstätigen lag im 3. Quartal 2015 bei 0,8 Prozent, das Arbeitsvolumen bei 1,0 Prozent über dem des Vorjahresquartals. Eine durchaus positive Entwicklung.
  • Die Zahl der Aufstocker ist zu Beginn des Jahres 2015 nur in geringem Maße zurückgegangen.
  • Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zog keine großen Arbeitsplatzverluste nach sich.
  • Viele Unternehmen haben die Löhne bei Einstellungen bereits vor Inkrafttreten des Mindestlohngesetzes an das Mindestlohnniveau angepasst: Im Jahr 2014 erhielten 4,5 Prozent der Neueingestellten einen Einstiegslohn von 8,50 Euro pro Stunde.

 

Aktuelle Momentaufnahme nach Einführung des Mindestlohns

Die Einführung des Mindestlohns hatte eine positive Wirkung auf den Arbeitsmarkt. Dies zeigte sich in den wachsenden Beschäftigungszahlen – die Zahl der Erwerbstätigen ist leicht angestiegen. Es lässt sich also feststellen, dass die Einführung des Mindestlohns nicht in einem großen Umfang zu Arbeitsplatzverlusten geführt hat. Damit ist noch nicht bewiesen, dass der Mindestlohn als ökonomische Maßnahme keine negativen Auswirkungen hatte, denn ohne die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns hätte die Beschäftigung noch stärker ansteigen können.

 

Mindestlohn – die Zusammenhänge im Detail

Arbeitsmarkforscher können sich mit der aktuellen Situation nur dann kritisch und solide auseinandersetzen, wenn sie auch folgende Frage unter die Lupe nehmen: Was wäre passiert, wenn der Mindestlohn nicht eingeführt worden wäre? Ein solcher Vergleich und eine solche Beurteilung, ist erst unter Verwendung von originalen Einzeldaten, auf der Basis von wissenschaftlichen Methoden möglich.

Die Annahme der Experten: Die Einführung des Mindestlohns hat möglicherweise eine Zurückhaltung bei den Neueinstellungen bewirkt, sie spiegelt sich aber weniger in Entlassungen wider.

Es ist zu erwarten, dass die Veränderungen der Beschäftigungsmodelle sich nicht zeitnah, sondern erst zeitverzögert zeigen. Dadurch wird es möglich kurz- und mittelfristige Wirkungen des Mindestlohns zu unterscheiden.

Die eingeführte Lohnuntergrenze könnte im Falle von wirtschaftlichem Abschwung zu einem Rückgang des Arbeitsvolumens und zu einem Abbau von Beschäftigung beitragen. Der Grund dafür: Bei rückgängiger Auftragszahl sind  8,50 Euro pro Arbeitsstunde schwieriger zu erwirtschaften.

Die Einführung des Mindestlohns hat eine geringe Auswirkung auf die Zahl der Arbeitslosengeldbezieher gehabt, obwohl  die Zahl der Aufstocker – diejenigen, die trotz Arbeit Arbeitslosengeld II beziehen –  in den ersten vier Monaten des Vorjahres  um ca. 40.000 bis 60.000 Personen zurückgegangen.  Das ist ein geringer Rückgang, bei einer Gesamtzahl von knapp über 1,1 Millionen abhängig beschäftigten ALG-II-Beziehern.

Die Erklärung dafür ist, dass viele Aufstocker nur in Teilzeit beschäftigt sind und sie in vielen Fällen eine Bedarfsgemeinschaft versorgen. Fazit: Die Einführung des Mindestlohns führte nicht erheblich zu einer Besserung der wirtschaftlichen Lage bedürftiger Familien.

 

Auswirkungen auf Minijobber  

Allgemeine Tendenz:

Die BA-Statistiken zeigen, dass die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten bis September 2015 im Vorjahresvergleich um 194.000 Beschäftigte zurückgegangen ist. Dieser Rückgang war vor allem Anfang  2015 besonders stark.

Der Rückgang in Zahlen:

  • Bundesweit: insgesamt 3,9 %
  • Ostdeutschland: 7,0 %
  • Westdeutschland: 3,3 %

Eine positive Veränderung:  In einigen Bereichen, vor allem im Einzelhandel, ist ein überdurchschnittlicher Aufwuchs bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zu beobachten. Dementsprechend sind in dieser Branche die Minijobs stärker rückläufig, weil ein großer Teil der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse  in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt wurde.

Eine weitere gute Nachricht:  In den vom Mindestlohn stark betroffenen Bereichen ist es zu keinem relevanten Anstieg der Arbeitslosigkeit gekommen. Hier kann ein Zusammenhang mit dem Wegfall von Minijobs bei Schülern, Studenten oder Rentnern bestehen, denn sie gelten in den Statistiken nicht als Arbeitslose.

 

Ergebnisse einer repräsentativen Arbeitgeberbefragung

Das IAB-Betriebspanel ist eine repräsentative Arbeitgeberbefragung der TNS Infratest Sozialforschung München zu betrieblichen Bestimmungsgrößen der Beschäftigung. Diese werden im Auftrag des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)  durchgehführt. Jährlich werden von Ende Juni bis Oktober bundesweit knapp 16.000 Betriebe aller Wirtschaftszweige und Größenklassen befragt.

Die Ergebnisse aus dem IAB-Betriebspanel zeigen, dass 2014 etwa 12 Prozent der Betriebe in Deutschland direkt vom Mindestlohn betroffen waren, also mindestens einen Beschäftigten mit weniger als 8,50 Euro pro Arbeitsstunde entlohnten. Innerhalb dieser Betriebe galt diese Betroffenheit bei 38% der Beschäftigten.

Ergebnisse aus der IAB-Stellenerhebung zeigen, dass Unternehmen bei Einstellungen im Jahr 2014 bereits die spätere Einführung des Mindestlohns berücksichtigt haben. 4,5 Prozent der Neueingestellten erhielten einen Einstiegslohn von  8,50 Euro pro Stunde.

 

Es bleibt weiterhin spannend zu sehen, wie sich der Mindestlohn dauerhaft entwickeln wird und wie er sich auf die Wirtschaft auswirkt. Als Personaldienstleister ist es bedeutend solche Änderungen zu verfolgen, aber auch zu antizipieren – nur so können wir unseren Mitarbeitern und Kunden pro-aktive Lösungen anbieten und individuelle Dienstleistungen schaffen.

 

 

 

 

 

 

 

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