Zeitarbeit 2020 – Definition, Vorteile, Fragen

 in Arbeitnehmerüberlassung, AÜG - Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, Bewerbertipps, Zeitarbeit

Zeitarbeit ist ein umfangreicher, nicht einfach zu durchschauender Themenkomplex. Von der Geschichte über die aktuelle Gesetzeslage bis hin zu den Spezifikationen für Arbeitnehmer und Unternehmen gibt es zahlreiche Ansatzpunkte für Fragen und Diskussionen – und ebenso viele mögliche Stolperfallen. Als Experte für Zeitarbeit hat DAHMEN Personalservice alles Wissenswerte zum Thema für Sie aufbereitet.

Für weitere Fragen stehen Ihnen gerne unsere Ansprechpartner in der Zentrale Düsseldorf oder an einem unserer deutschlandweiten Standorte zur Verfügung. Wir freuen uns darauf Sie zum Thema Zeitarbeit ausführlich zu beraten.

Zeitarbeit Definition

Zeitarbeit ist eine Form der Beschäftigung, bei der Arbeitnehmer (Leiharbeitnehmer) von einem Arbeitgeber (Verleiher) einem Unternehmen (Entleiher) für begrenzte Zeit gegen Entgelt überlassen werden. Dabei bleibt das verleihende Zeitarbeitsunternehmen in der Rolle des Arbeitgebers, mit sämtlichen Rechten und Pflichten. Zeitarbeit wird auch als Arbeitnehmerüberlassung oder Leiharbeit bezeichnet. Weitere Synonyme sind Mitarbeiterüberlassung sowie selten Personalleasing oder Temporärarbeit.

Dreiecksverhältnis Zeitarbeit

Dreiecksverhältnis zwischen Arbeitnehmer, Zeitarbeitsfirma und Einsatzbetrieb

Zwischen Arbeitgeber (Verleiher) und Arbeitnehmer (Leiharbeitnehmer) wird ein ganz normaler Arbeitsvertrag nach deutschem Arbeitsrecht geschlossen. Darin werden die üblichen Leistungen wie Kranken,- Renten-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung geregelt. Auch die Bestimmungen zu bezahltem Urlaub, gesetzlichem Kündigungsschutz, Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall sind, unter anderem, darin festgelegt. Es besteht also ein reguläres, sozial geschütztes Arbeitsverhältnis. Allerdings hat der Personalvermittler durch die Überlassung kein Weisungsrecht.

Video – So funktioniert Zeitarbeit

Zeitarbeit, Leiharbeit, Arbeitnehmerüberlassung, Personalüberlassung – was ist der Unterschied?

So verschieden diese Begriffe auch klingen, es gibt keinen rechtlichen Unterschied zwischen Zeitarbeit, Leiharbeit, Arbeitnehmerüberlassung und Personalüberlassung. Sie bezeichnen alle denselben Sachverhalt: Eine Zeitarbeitsfirma überlässt (entleiht) ihre Mitarbeiter für einen begrenzten Einsatzzeitraum an andere Unternehmen.

Was bedeutet Zeitarbeit?

Zeitarbeit ist wohl die gängigste Bezeichnung für dieses Arbeitsmodell. Sie beschreibt die „Arbeit auf Zeit“ kurz, prägnant und leicht verständlich. Ebenfalls weit verbreitet ist der Begriff Leiharbeit, der jedoch in den vergangenen Jahren an Popularität eingebüßt hat. Leihen – das verbindet man eher mit Gegenständen als mit Menschen. Seriöse Personaldienstleister vermeiden diese Bezeichnung daher, um ihre Mitarbeiter nicht herabzuwürdigen.

Was bedeutet Arbeitnehmerüberlassung?

Arbeitnehmerüberlassung ist der Begriff, der vom Gesetzgeber und den Behörden bevorzugt wird. Das zeigt sich unter anderem an „Arbeitnehmerüberlassungsvertrag“, „Arbeitnehmerüberlassungsgesetz“ oder „Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis“. Unter Unternehmen und Arbeitnehmern wird die doch recht sperrige Bezeichnung seltener gebraucht als „Zeitarbeit“ – beides meint jedoch exakt dasselbe.

Was bedeutet Personalüberlassung?

Auch Personalüberlassung ist „nur“ ein anderes Wort für Zeitarbeit, Leiharbeit oder Arbeitnehmerüberlassung. Der Begriff deutet darauf hin, was die Überlassung von Arbeitskräften in ihrem Kern ist: Eine Personaldienstleistung.

Zeitarbeit nach Tätigkeitsfeldern

Zeitarbeit Vor- und Nachteile

Vorteile für Arbeitnehmer & Bewerber

Die Zeitarbeitsbranche wächst und ist über die Jahrzehnte zu einer sicheren und fairen Berufsoption geworden. Zeitarbeitsfirmen bieten dem Arbeitnehmer Jobs, attraktive Karrierechancen und aussichtsreiche Perspektiven. Hier erfahren Sie mehr über Ihre Vorteile und Karriere bei DAHMEN Personalservice.

  • Eintritt in die Arbeitswelt: Leiharbeit verschafft Berufsanfängern echte Chancen einen Job zu finden
  • Berufliche Umorientierung: Verschiedene Unternehmen kennenlernen und Wunscharbeitgeber finden
  • Wiedereinstieg ins Berufsleben: nach längerer Berufspause, z.B. aufgrund von Kinderbetreuung
  • Chance auf berufliche Qualifikation: Mitarbeiter können sich in Seminaren, Lehrgängen oder Schulungen weiterbilden
  • Zeitarbeitnehmer machen sich interessant für den Arbeitsmarkt – demonstrieren Flexibilität, Zuverlässigkeit und Erfahrung in verschiedenen Betrieben
  • Neue Perspektiven für am Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen, z.B. Langzeitarbeitslose oder ältere Arbeitssuchende
  • Soziale Sicherheit: Arbeitnehmer sind in festem sozialversicherungspflichtigem Arbeitsverhältnis; Zeitarbeit unterliegt dem deutschen Arbeitsrecht
  • Equal Treatment: Zeitarbeitnehmer sind Stamm-Mitarbeitern gleichgestellt
  • Leistungsgerechte Bezahlung: Equal Pay und Branchenzuschläge
  • Arbeitnehmer erster Klasse: gesetzlicher Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, gesetzlicher Urlaubsanspruch, Arbeitsschutz, volle Sozialversicherungspflicht

Vorteile für Unternehmen (Entleiher)

Zeitarbeit ist ein wichtiger Bestandteil eines modernen, flexiblen Personalmanagements. Unternehmen profitieren vom Einsatz von Leiharbeitern in vielfacher Hinsicht. Hier erfahren Sie mehr über die Personaldienstleistungen und Ihre Vorteile mit DAHMEN Personalservice.

  • Auftragsspitzen abfangen und Personalengpässe überbrücken: schnell, flexibel und ohne zwingende Festanstellung
  • Kalkulierbare Kosten: Sie zahlen nur für effektiv geleistete Arbeit, Entgeltfortzahlungen bei Krankheit, Urlaub oder Nichteinsatzzeiten übernimmt der Verleiher
  • Personaldienstleister übernehmen die Suche nach geeigneten Mitarbeitern – Entleiher sparen Zeit und Geld
  • Großer Pool an Mitarbeitern: Deckt unterschiedliche Berufsgruppen und Qualifikationsstufen ab
  • Fachkräftemangel entgegenwirken: Zeitarbeitsfirmen stellen Arbeitskräfte zur Verfügung, die über die gewünschten Fachkenntnisse verfügen
  • Lösungen für jeden Personalbedarf: langfristig bei Großprojekten, kurzfristig bei Engpässen und saisonalen Schwankungen
  • Rekrutierung potenziell neuer Mitarbeiter: Arbeitnehmer können getestet werden, anstatt sie direkt fest einzustellen – verringertes Risiko für Unternehmen
  • Klebeeffekt: Zeitarbeitnehmer können auf Wunsch fest in den Betrieb übernommen werden
Infografik Beschäftigungsaufnahmen aus der Arbetitslosigkeit

Häufige Fragen zur Zeitarbeit

Wir liefern Ihnen die passenden Antworten! Sollten Sie weitere Fragen haben, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme!

Häufige Fragen zur Zeitarbeit von Arbeitnehmern

Wer ist mein Arbeitgeber?

Ihr Arbeitgeber ist die Zeitarbeitsfirma, mit dem Sie den Arbeitsvertrag geschlossen haben. Dieses zahlt Ihr Entgelt und ist unter anderem für Ihre soziale Absicherung (Kranken,- Renten-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung) und finanzielle Absicherung (Bestimmungen zu bezahltem Urlaub, gesetzlichem Kündigungsschutz, Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall) verantwortlich. Rechtlich sind Sie somit Arbeitnehmer mit einer regulären Beschäftigung absolut gleichgestellt. Die Zeitarbeitsfirma hat allerdings kein Weisungsrecht. Dieses liegt bei Ihrem Vorgesetzten im Entleihbetrieb.

Was ist ein Arbeitnehmerüberlassungsvertrag (AÜV)?

Im AÜV wird Ihr Einsatz im entleihenden Unternehmen geregelt. Er wird zwischen dem Ver- und dem Entleiher geschlossen, was auch bedeutet, dass man Sie nicht ohne Weiteres in ein anderes Unternehmen versetzen kann. Darüber müssen Sie vorher schriftlich informiert werden.

Woran erkenne ich seriöse Personaldienstleister oder Zeitarbeitsfirmen?

Auf folgende Merkmale sollten Sie bei der Auswahl Ihrer Zeitarbeitsfirma achten:

  • Unbefristete Arbeitsverträge
  • Anwendung des BAP-Tarifvertrags (oder anderer Tarifvertrag wie IGZ)
  • Übertarifliche Entlohnung
  • Erreichbarkeit rund um die Uhr
  • Sehr gute medizinische Versorgung – z. B. durch das Werksarztzentrum
  • Gutes Werkzeug und Arbeitskleidung nach Bedarf
  • Geprüfte und seriöse Kundenunternehmen
  • Zertifiziert und geprüft durch verschiedene Organisationen
  • Bietet Ihnen Jobs, die Ihren Anforderungen entspricht

Wie läuft der Verleih von Zeitarbeitskräften ab?

Die Zeitarbeitsfirma bzw. der Personaldienstleister regelt, wie Sie in den entleihenden Betrieben eingesetzt werden. Diese Regelungen werden in dem Arbeitnehmerüberlassungsvertrag zwischen Verleiher und Entleiher festgelegt. Sollen Sie bei einem neuen Kunden eingesetzt werden, muss das Zeitarbeitsunternehmen Ihnen das zuvor schriftlich mitteilen. Für Ihre Einarbeitung ist der entleihende Betrieb zuständig.

In welchen Branchen kann ich als Zeitarbeitnehmer arbeiten?

Zeitarbeit ist generell in fast jeder Branche denkbar. Seriöse Personaldienstleister wie DAHMEN bieten Stellen in ganz unterschiedlichen Branchen und bei geprüften Unternehmen an, beispielsweise im Handwerk, der Industrie oder der Logistik. Aber auch im Bereich Büro oder Call Center finden Sie bei uns genau den Job, der zu Ihnen passt. Einen ersten Eindruck über die Branchen- und Berufsvielfalt können Sie sich zum Beispiel in unserer Jobbörse machen.

Muss ich jede Stelle annehmen, die die Zeitarbeitsfirma vorschlägt?

Die Art der Beschäftigung wird in Ihrem Arbeitsvertrag festgelegt. In der Regel wird die Arbeitskraft dazu verpflichtet, neben ihrer Haupttätigkeit auch weitere „zumutbare“ Tätigkeiten auszuführen. „Zumutbar“ bedeutet, dass diese Ihrer Qualifikation entsprechen müssen. Sollte der Job nicht zu Ihnen und Ihren Anforderungen passen, sollten Sie sich an Ihren Ansprechpartner wenden.

Kann ich von der Einsatzfirma übernommen werden?

Ja, dieser Vorgang wird auch als „Klebeeffekt“ bezeichnet: Ist der Entleiher mit Ihnen und Ihrer Arbeit zufrieden, kann er Sie nach Ablauf der Einsatzzeit in ein festes Arbeitsverhältnis übernehmen. Dafür müssen Sie Ihren Arbeitsvertrag mit dem Zeitarbeitsunternehmen kündigen, um dann mit Ihrem neuen Arbeitgeber einen Vertrag abzuschließen.

Wie viel verdiene ich als Zeitarbeitnehmer?

Die Verhandlungsparteien Tarifgemeinschaft Leiharbeit des deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und die arbeitgeberseitige Verhandlungsgemeinschaft Zeitarbeit (VGZ) haben sich Ende 2019 auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Durch diesen steigen die Entgelte ab 1. April 2020 schrittweise bis 1. April 2022. Auf diese Weise werden auch die Löhne in Ost und West aneinander angeglichen. Die Tarife sind als Mindestlohn zu verstehen – sie müssen von jedem Arbeitgeber in der Zeitarbeit mindestens gezahlt werden. Folgende Tariferhöhungen wurden beschlossen:

  West Ost
ab 1. April 2020 + 1,9 % + 2,31 % (EG 1) bzw. + 3,0 % (EG 2-9)
ab 1. Oktober 2020 keine Erhöhung + 2,2 %
ab 1. April 2021 + 3,0 % + 7,1 %
ab 1. April 2022 bundesweit einheitlich: + 4,1 %

 

Hier sehen Sie die Tarife in allen Entgeltgruppen im Westen ab dem 1. April 2020:

Entgeltgruppe Stundenlohn in €
EG 1 10,15
EG 2 10,82
EG 3 12,42
EG 4 13,13
EG 5 14,83
EG 6 16,69
EG 7 19,48
EG 8 20,97
EG 9 22,12

 

Hier sehen Sie die Tarife in allen Entgeltgruppen im Osten ab dem 1. April 2020:

Entgeltgruppe Stundenlohn in €
EG 1 9,88
EG 2 10,20
EG 3 11,67
EG 4 12,35
EG 5 13,96
EG 6 15,70
EG 7 18,31
EG 8 19,69
EG 9 20,79

 

Hier sehen Sie die Tarife in allen Entgeltgruppen in Ost und West ab dem 1. April 2022:

Entgeltgruppe Stundenlohn in €
EG 1 10,88
EG 2a 11,60
EG 2b 12,20
EG 3 13,32
EG 4 14,08
EG 5 15,90
EG 6 17,90
EG 7 20,89
EG 8 22,49
EG 9 23,72

 

Die vollständigen Tabellen mit allen Entgeltgruppen und Erhöhungsstufen, die bis zum 1. April 2022 stattfinden werden, finden Sie hier.

Hinzu kommt, dass Zeitarbeitnehmer, die eine vergleichbare Tätigkeit wie Stammmitarbeiter im Betrieb ausüben, nach neun Monaten Einsatzdauer auch das identische Gehalt erhalten – das hat die AÜG-Reform im Rahmen des Equal-Pay-Grundsatzes unlängst festgelegt. Dafür müssen Zeitarbeitnehmer neun Monate ohne Unterbrechung in einem Betrieb gearbeitet haben. Doch keine Sorge, sollte der Einsatz für weniger als drei Monate unterbrochen worden sein, werden die Monate, die man in einem Betrieb gearbeitet hat, trotzdem angerechnet und das Recht auf gleiche Bezahlung bleibt. Dieser Anspruch ist in § 8 AÜG geregelt.

9,49 €
10/2019 – 12/2019 9,96 € 9,66 €

Damit liegt die Lohnuntergrenze in der Zeitarbeit über dem gesetzlichen Mindestlohn. Dieser wurde zum Januar 2019 auf 9,19 € erhöht und soll Anfang 2020 auf 9,35 € gesteigert werden.

Bekomme ich als Leiharbeitnehmer Urlaubs- und Weihnachtsgeld?

Ja, Zeitarbeitnehmer erhalten Urlaubs- und Weihnachtsgeld, das im Zuge des Tarifabschlusses ab dem 1. Januar 2021 erhöht wird. Arbeitnehmer, die mindestens seit zwölf Monaten Mitglied einer DGB-Gewerkschaft sind, erhalten auf Antrag außerdem einen Mitgliedervorteil. Die Erhöhung erfolgt auch hier in mehreren Schritten, wobei die aufgeführten Beiträge jeweils für das Urlaubs- sowie für das Weihnachtsgeld gelten:

Nicht Gewerkschaftsmitglieder Gewerkschaftsmitglieder
2021 2022 2023 2021 2022 2023
ab 6 Monaten 150 € 180 € 200 € 200 € 250 € 300 €
ab 2 Jahren 200 € 250 € 300 € 300 € 370 € 500 €
ab 4 Jahren 225 € 325 € 400 € 375 € 525 € 750 €

Was sind Branchenzuschläge?

Eine Abweichung vom gesetzlichen Equal Pay ist nur dann zulässig, wenn ein Branchenzuschlagstarifvertrag vorliegt. Hierin wird – in Form eines Branchenzuschlags – der Tariflohn des Zeitarbeitnehmers mit schrittweise steigenden Zuschlägen bezuschusst und so an den Lohn eines Stammmitarbeiters mit vergleichbarem Aufgabengebiet angeglichen. Dabei erhält der Zeitarbeitnehmer nach spätestens 15 Monaten das Gehalt, das feste Mitarbeiter mit vergleichbarem Aufgabengebiet in dieser Branche auch erhalten. Der Lohn wird nach einer Einarbeitungsphase von sechs Wochen stufenweise an das Vergleichsgehalt angepasst. Dabei muss der Leiharbeiter mit einer Unterbrechung von maximal drei Monaten für den jeweiligen Kunden tätig gewesen sein.

In welchen Branchen gibt es Zuschläge?

Zuschläge für Zeitarbeitnehmer gibt es in unterschiedlichen Branchen. Dazu zählen:

  • Metall- und Elektroindustrie
  • Chemische Industrie
  • Kautschukindustrie
  • Holz und Kunststoff verarbeitende Industrie
  • Textil- und Bekleidungsindustrie
  • Papier, Pappe und Kunststoff verarbeitende Industrie
  • Papier erzeugende Industrie
  • Kali- und Steinsalzbergbau
  • Druckindustrie
  • Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaften

Die Branchenzuschläge sind dabei durchaus beachtlich – je nach Branche und Entgeltgruppe sind nach 15 Monaten bis weit über 50 Prozent Zuschlag möglich.

Welcher Branche ein Unternehmen angehört, lässt sich problemlos in Erfahrung bringen, denn jedes Unternehmen ist verpflichtet, seine Branchenzugehörigkeit anzugeben. Wer sich trotzdem nicht direkt beim Betrieb erkundigen kann oder möchte, der kann sich auch an folgende Stellen wenden:

  • Agentur für Arbeit
  • Bürgerauskunft
  • Berufsgenossenschaft
  • Gewerbeamt
  • Gewerbezentralregister
  • Handwerkskammer

Wie berechne ich mein Gehalt in der Zeitarbeit?

Wie viel man als Zeitarbeiter verdient, hängt von mehreren Faktoren ab. Egal, ob Sie als Schlosser, Elektriker, Maler, Chemiker, Mechatroniker, Tischler oder in einem anderen Beruf tätig werden wollen – Grundlage für Ihr Gehalt ist zunächst der jüngst verhandelte einheitliche Stundenlohn für die Zeitarbeit. Dieser wird ab dem 1. April 2020 über zwei Jahre schrittweise erhöht. Wer sich also seinen Lohn in der Zeitarbeit errechnen möchte, sollte dies nicht nur für die nächsten paar Monate tun, sondern auch beachten, dass die Zeitarbeitstarife bis 2022 weiter ansteigen.

Zudem sollte man das Urlaubs- und Weihnachtsgeld in die eigenen Gehaltsberechnungen mit einbeziehen. Sie sind Gewerkschaftsmitglied? Dann können Sie sich durch den Ende 2019 erzielten Tarifabschluss über noch höhere Jahressonderzahlungen freuen.

Zuletzt sorgen Branchenzuschläge sowie der Equal-Pay-Grundsatz dafür, dass Leiharbeiter ebenso hoch entlohnt werden wie Stammmitarbeiter. Damit das gelingt, gibt es in einigen Branchen erhebliche Branchenzuschläge, die on top auf das eigene Gehalt gezahlt werden.

Mit folgender Rechnung kann man sich also den Verdienst in der Zeitarbeit errechnen:

Tariflohn (inkl. Erhöhungsstufen gemäß neuem Tarifabschluss)

+ Urlaubs- und Weihnachtsgeld

+ branchenspezifische Zuschläge bzw. Equal Pay

= Verdienst als Zeitarbeitnehmer

Wird mein Gehalt auch in einsatzfreien Zeiten weitergezahlt?

Sollte sich einmal kein Einsatz beim Kundenunternehmen ergeben, erhalten Sie weiter Gehalt. Bei vielen Personaldienstleistern und Zeitarbeitsfirmen werden solche einsatzfreien Zeiten über das Arbeitszeitkonto abgedeckt.

Wie kann ich mich bei einem Zeitarbeitsunternehmen bewerben?

Bei DAHMEN Personalservice erfolgt der Bewerbungsprozess in vier Schritten:

  1. Suchen Sie in unserer Jobbörse eine Stelle, die zu Ihren Wünschen passt. Gerne nehmen wir auch Initiativbewerbungen entgegen.
  2. Über den Button „Jetzt bewerben!“ gelangen Sie zu unserem Bewerbungsformular, das Sie einfach ausfüllen und abschicken können. Dabei sollten Sie Ihren Lebenslauf und weitere Bewerbungsunterlagen hochladen. Wie diese aussehen sollten, erklären wir Ihnen in diesem Blogbeitrag. Alternativ können Sie Ihre Bewerbung auch per E-Mail einreichen.
  3. Nach Eingang Ihrer Bewerbung bei uns meldet sich einer unserer Mitarbeiter telefonisch bei Ihnen, um Sie besser kennenzulernen.
  4. Sie erhalten eine Einladung in den nächstgelegenen DAHMEN-Standort. Bei einem persönlichen Gespräch lernen wir einander kennen und besprechen die weiteren Schritte.

Kann ich in der Zeitarbeit Weiterbildungsangebote wahrnehmen?

Ein guter Zeitarbeitnehmer bietet seinen Mitarbeitern Weiterbildungsprogramme an, um sie für unterschiedliche Berufsfelder weiter zu qualifizieren und ihre Attraktivität am Arbeitsmarkt zu steigern. Ihre Ansprechpartner empfehlen Ihnen gerne die passenden Weiterbildungen für Ihre Tätigkeit. Nehmen Sie Kontakt auf!

Wer erstellt mein Arbeitszeugnis?

Ihr Arbeitgeber, also die Zeitarbeitsfirma, ist für die Erstellung Ihres Arbeitszeugnisses verantwortlich. Jedoch ist der Entleiher dazu verpflichtet, der Zeitarbeitsfirma Auskunft über Ihre Arbeitsleistung zu geben.

infografik anteil der zeitarbeiter pro branche
infografik anteil der beschaeftigten in der Zeitarbeit unter 35 Jahren

Häufige Fragen zur Zeitarbeit von Unternehmen (Entleiher)

In welchen Branchen ist Zeitarbeit möglich?

Prinzipiell ist das Überlassen von Arbeitnehmern in fast jeder Branche möglich. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit (Stand Januar 2017) zeigt, wie hoch der Anteil der Zeitarbeitnehmer in den relevantesten Branchen ist.

DAHMEN Personalservice überlässt Mitarbeiter in folgenden Branchen: Handwerk, Industrie, Logistik, Office/Büro, Call Center, Medizin/Pflege sowie Fach- und Führungskräfte.

Wann ist Zeitarbeit für mein Unternehmen sinnvoll?

Es gibt viele Gründe, die für den Einsatz von Zeitarbeitnehmern sprechen. Nachfolgend haben wir die häufigsten Herausforderungen aufgelistet, die durch Zeitarbeit bewältigt werden.

  • Auftragsspitzen: Ein großer Auftrag muss fristgerecht abgewickelt werden, jedoch reichen die eignen Personalkapazitäten dafür nicht aus. Mit Zeitarbeitskräften können Sie diese vorübergehende Situation bewältigen. Gleiches gilt für saisonale Bedarfsanstiege, zum Beispiel im Weihnachtsgeschäft.
  • Wachstum: In der Wachstumsphase eines Unternehmens ist der zukünftige Personalbedarf oft nur schwer abzusehen. Mit Zeitarbeit können Sie flexibel weiterwachsen und nach erfolgter Stabilisierung die eingearbeiteten Mitarbeiter sogar fest übernehmen.
  • Befristeter Ausfall von Mitarbeitern: Zum Beispiel aufgrund von Elternzeit oder Krankheit kann es vorkommen, dass Ihnen ein Mitarbeiter länger nicht zur Verfügung steht. Vor allem, wenn nicht klar absehbar ist, wie es weitergeht, lässt sich diese unsichere Periode durch Personalüberlassung gut überbrücken.
  • Engpass in der Personalabteilung: Ist Ihre Personalabteilung kurzfristig überlastet oder unterbesetzt, kann Sie eine Zeitarbeitsfirma mit qualifiziertem Personal unterstützen, das an den gewünschten Stellen aushilft.
  • Keine Personalabteilung vorhanden: Vor allem in kleineren und mittleren Betrieb werden Personalangelegenheiten oft von den Mitarbeitern „nebenbei“ erledigt. Für den langfristigen Unternehmenserfolg ist es jedoch sinnvoller, einzelne Bereiche oder gleich die gesamte Personalarbeit an die qualifizierten Fachkräfte eines Zeitarbeitsunternehmens auszulagern.

Woran erkenne ich gute Zeitarbeitsfirmen?

Folgende Merkmale sollten Sie bei der Auswahl Ihrer Zeitarbeitsfirma prüfen:

  • Unbefristete Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung
  • Unbedenklichkeitsbescheinigungen (Krankenkasse, Berufsgenossenschaft, Finanzamt)
  • Mitglied bei einem der großen Branchenverbände, z.B. BAP oder IGZ (und damit einhergehender Tarifvertrag)
  • Zertifizierungen zum Arbeiterschutz und eine zusätzliche Unfallschutzversicherung
  • TÜV ISO 9011-Zertifizierung
  • Fundierte Kenntnisse zu den Branchenzuschlagstarifverträgen
  • Faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen
  • Persönliche Mitarbeiterbetreuung
  • Referenzen namhafter Firmen
  • Talentförderung und Qualifizierungsangebote
  • Menschenrechte, Compliance, Diversity, Umweltschutz

Was ist der Unterschied zwischen Arbeitnehmerüberlassung und Personalvermittlung?

Bei der Arbeitnehmerüberlassung wird Ihnen passendes Personal für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt, das in einem festen Arbeitsverhältnis mit der Zeitarbeitsfirma steht. Bei der Vermittlung sucht der Personaldienstleister für Sie den geeigneten Kandidaten, mit dem Ihr Unternehmen schließlich einen Arbeitsvertrag abschließt.

Wie werden Zeitarbeitnehmer in mein Unternehmen integriert?

Ein guter Personaldienstleister steht Ihnen auch über den ersten Einsatztag hinaus als Partner zur Seite. Die Zeitarbeitsfirma agiert als Ansprechpartner für Sie und den Mitarbeiter, begleitet den Onboarding-Prozess und ist im Konfliktfall zur Stelle.

Kann ich Zeitarbeitnehmer im Anschluss an den Einsatz übernehmen?

Ja, im Anschluss an die vereinbarte Einsatzzeit können Sie den Mitarbeiter fest in Ihr Team übernehmen. Dieser Vorgang wird auch als „Klebeeffekt“ bezeichnet. Bei einem guten Zeitarbeitsfirmen wie DAHMEN Personalservice ist die Übernahme für Sie kostenlos.

Wie kann ich mich in der Leiharbeit absichern?

Subsidiärhaftung verhindern: Der Verleiher (Zeitarbeitsfirma) ist dazu verpflichtet, Sozialabgaben, Beiträge zur Berufsgenossenschaft und Lohnsteuer für seine Zeitarbeitnehmer abzuführen. Tut er dies nicht ordnungsgemäß, haftet der Entleiher. Lassen Sie sich daher regelmäßig Bescheinigungen für die Abführung der Abgaben vom Entleiher vorlegen.

Auswahlverschulden: Verleiher haften in der Regel nicht für Schäden, die Zeitarbeitnehmer in Ihrem Unternehmen evtl. verursachen. Arbeiten Sie daher am besten mit einer Zeitarbeitsfirma zusammen, die nachweislich auf ein intensives Auswahlverfahren setzt und Ihnen anbietet, potentielle Mitarbeiter im Rahmen von Try & Hire zu testen.

Reklamationsmanagement: Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen können Probleme mit Mitarbeitern auftreten. Daher sollten Sie vorab nachfragen, wie das Zeitarbeitsunternehmen mit Reklamationen umgeht. Ein seriöser Dienstleister wird den Mangel unverzüglich beheben und/oder seine Betriebsversicherung einschalten.

Tarifverträge: Ein wichtiger Indikator für sichere Leiharbeit ist die Anwendung eines anerkannten Tarifvertrags der Arbeitgeberverbände BAP oder IGZ.

Rechtssicherer AÜV: Der Vertrag zwischen Ihnen und dem Verleiher muss den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Dazu zählt die Erfüllung des Schriftformerfordernisses durch handschriftliches Unterzeichnen oder qualifizierte elektronische Signatur.

Überlassungshöchstdauer einhalten: Seit dem 1. April 2017 darf die Überlassung im Regelfall nur noch 18 Monate erfolgen. Ein guter Personaldienstleister nimmt Ihnen die umständliche Dokumentation ab und sorgt dafür, dass die Fristen eingehalten werden. Dafür bietet DAHMEN ein digitales Fristenüberwachungs-Tool an.

Anzahl der Zeitarbeitnehmer nach Bundesland
infografik begonnene leiharbeitsverhaeltnisse

Zeitarbeit und Datenschutz

Seit dem 25. Mai 2018 gilt in Deutschland die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union. Gleichzeitig trat eine neue Fassung des Bundesdatenschutzgesetzes in Kraft, in dem die DSGVO modifiziert und konkretisiert wird. Eines der Ziele ist, ein weitestgehend einheitliches Datenschutzniveau innerhalb der EU zu erreichen. Zudem werden durch die DSGVO die Kontrollmöglichkeiten und Rechte derjenigen gestärkt, deren personenbezogene Daten verarbeitet werden.

Wie viele andere Dienstleister, gerade im Personalbereich, verarbeiten auch Zeitarbeitsnehmen in großem Umfang die Daten ihrer Mitarbeiter. Zum Teil werden diese an den Entleiher weitergegeben, um diesen vor Abschluss eines AÜV über den Zeitarbeitnehmer zu informieren. Es versteht sich von selbst, dass personenbezogene Daten sehr sensibel sind und DSGVO-konform behandelt werden müssen.

So erkennen Sie ein Zeitarbeitsunternehmen, das die Datenschutzrichtlinien einhält:

  • Aktuelle Regelungen zur Verwendung und Löschung von Daten sind im AÜV und/oder den AGBs enthalten
  • Mitarbeiter und Bewerber werden zu den erhobenen personenbezogenen Daten sowie deren Verwendung und Löschung informiert
  • Daten von Kunden und Mitarbeitern werden nach einem umfassenden Löschkonzept zu ihren individuellen Fristen gelöscht
  • Daten von potentiellen Mitarbeitern werden nur bei Erteilung ihrer Einwilligung in Bewerberdatenbanken gespeichert
  • Gibt der Verleiher Daten an Dritte weiter, wurden vorab Verträge zur Auftragsdatenverarbeitung geschlossen
  • Der Entleiher hat einen unabhängigen Datenschutzbeauftragten bestellt
  • Die Internetseite des Zeitarbeitsunternehmens ist DSGVO-konform gestaltet

Alles rund um die Sicherheit in der Arbeitnehmerüberlassung finden Sie in unserem Artikel “Zeitarbeit sicher gestalten”.

Zahl der Zeitarbeitsfirmen in Deutschland

Die wichtigsten Begriffe in der Personalüberlassung

Die Arbeitnehmerüberlassung ist komplex. Deshalb haben wir ein Glossar der wichtigsten Begriffe für Sie zusammengestellt. Ein umfangreiches, wachsendes Lexikon mit allen Begriffen der Personaldienstleistung finden Sie ebenfalls auf unserer Website.

Zeitarbeit-Lexikon

Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis

Um einen Arbeitnehmer im Rahmen der Zeitarbeit/Leiharbeit an ein Kundenunternehmen zu entleihen, benötigen Arbeitgeber (Zeitarbeitsfirmen/Personaldienstleister) eine Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis. Diese Voraussetzung ist im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz in Paragraf 1 geregelt. Die AÜ-Erlaubnis muss schriftlich bei der Agentur für Arbeit beantragt werden. Für die ersten drei Jahre wird sie zunächst befristet erteilt. Anschließend kann sie unbefristet erteilt werden, insofern das Zeitarbeitsunternehmen seine Verleihtätigkeit für drei aufeinanderfolgende Jahre ohne rechtliche Beanstandungen ausgeübt hat. Stellt die Behörde im Zuge ihrer Überprüfungen Rechtwidrigkeiten fest, kann die Verleiherlaubnis widerrufen werden.

Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG)

Das AÜG regelt die Überlassung von Arbeitnehmern im Rahmen einer wirtschaftlichen Tätigkeit. Im Jahr 1972 wurde die Zeitarbeit im „Gesetz zur Regelung von Arbeitnehmerüberlassung“ erstmals verankert. Seitdem wurde das Gesetz einige Male reformiert: 2003 wurden das Befristungsverbot, das Wiedereinstellungsverbot, das Synchronisationsverbot und die Beschränkung der Überlassungshöchstdauer aufgehoben, sowie der Gleichstellungsgrundsatz verankert. 2011 wurde das AÜG auf die nicht gewerbsmäßige AÜ ausgedehnt, dauerhafte Leiharbeitereinsätze wurden verboten. Die bislang letzte AÜG-Reform trat 2017 in Kraft. Die Überlassungshöchstdauer wurde auf 18 Monate festgelegt, Ausnahmen durch Tarifverträge sind jedoch möglich. Für die Zeitarbeiter gilt der Equal-Pay-Grundsätze. Auch hier können aber durch Tarifverträge abweichende Regelungen getroffen werden, zumindest in den ersten 9 Monaten (in Ausnahmefällen bis zu 15 Monaten) des Einsatzes. Weitere Bestandteile der AÜG-Reform sind das Verbot der „Fallschirmlösung“, Pflichten zur Kennzeichnung und Dokumentation, die Erweiterung des Betriebsverfassungsgesetzes und das Zeitarbeitsverbot bei einem vom Streik betroffenen Entleiher.

Arbeitnehmerüberlassungsvertrag (AÜV)

Dieser Vertrag wird zwischen dem Verleiher und dem Entleiher geschlossen und regelt das Dreiecksverhältnis zwischen den Parteien. Inhaltlich führt er unter anderem die besonderen Anforderungsmerkmale der Tätigkeit aufgeführt werden, die der Arbeitnehmer ausführen soll. Dazu zählen die erforderlichen beruflichen Qualifikationen, zum Beispiel Ausbildungs- oder Hochschulabschlüsse oder bestimmte praktische Erfahrungen. Zudem ist der Entleiher verpflichtet im AÜV anzugeben, welche Arbeitsbedingungen (einschließlich des Arbeitsentgelts) im Betrieb des Entleihers für einen vergleichbaren Arbeitnehmer gelten.

Dreiecksverhältnis

Die besondere Beschäftigungsstruktur der Zeitarbeit wird mit dem Begriff „Dreiecksverhältnis“ beschrieben. Dieses besteht zwischen den drei Parteien: Zeitarbeiter, Zeitarbeitsunternehmen und Kundenunternehmen. Zwischen Zeitarbeiter und Zeitarbeitsunternehmen wird ein regulärer Arbeitsvertrag geschlossen. Zeitarbeitsunternehmen und Kundenunternehmen schließen hingegen einen Arbeitnehmerüberlassungsvertrag ab.

Equal Pay

Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz schreibt vor, dass die Bezahlung eines Zeitarbeitnehmers gleichwertig mit der Entlohnung eines vergleichbar eingesetzten Stamm-Mitarbeiters im Kundenbetrieb sein muss. Jedoch eröffnet das AÜG dem Entleiher die Möglichkeit, durch Tarifverträge vom Equal-Pay-Prinzip abzuweichen. Diese Abweichungen sind auf 9 Monate, in Ausnahmefällen auf maximal 15 Monate, beschränkt.

Equal Treatment

Equal Treatment bezeichnet den Gleichstellungsgrundsatz, der besagt, dass Zeitarbeitnehmer während eines Einsatzes Anspruch auf die im Kundenbetrieb geltenden Arbeitsbedingungen eines vergleichbaren Stamm-Mitarbeiters haben. Dieser Grundsatz bezieht sich unter anderem auf die Arbeitszeitdauer, Überstundenregelungen, Ruhezeit, Pausen, Nachtarbeit, Urlaub, das Arbeitsentgelt (s. Equal Pay), Sonderzahlungen und Zuschüsse zur betrieblichen Altersvorsorge.

Schriftformerfordernis

Damit der AÜV zwischen Entleiher und Verleiher rechtgültig ist, muss nach § 12 Abs. 1 AÜG die Schriftform eingehalten werden. Das bedeutet, dass beide Vertragsparteien die Vertragsurkunde eigenhändig mit Namensunterschrift unterzeichnen müssen. Das Schriftformerfordernis gilt für sämtliche Bestandteile des Rechtsgeschäfts, neben dem Ursprungsvertrag also für auch eventuelle Verlängerungs- oder Änderungsvereinbarungen. Als Alternative zur eigenhändigen Unterzeichnung ist für Dokumente, die auf elektronischem Weg ausgetauscht werden, nach § 126a BGB das Hinzufügen der Unterschrift durch eine elektronische Signatur möglich. Wird die Schriftform bzw. die elektronische Form nicht eingehalten, ist der geschlossene Vertrag entsprechend § 125 BGB wirkungslos. Wird er dennoch durchgeführt, hat der Verleiher Anspruch auf Vergütung.

Überlassungshöchstdauer

Die zum 01.04.2017 in Kraft getretene AÜG-Reform sieht vor, dass Zeitarbeitnehmer maximal 18 aufeinanderfolgende Monate in demselben Kundenunternehmen eingesetzt werden dürfen. Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz wurde im Laufe der vergangenen Jahrzehnte mehrmals reformiert. Dabei wurde der Zeitraum, für den ein Zeitarbeitnehmer dem Kunden entliehen werden darf, immer wieder neu festgesetzt:

Entwicklung der Überlassungshöchstdauer:

  • 1985: Verlängerung von 3 auf 6 Monate
  • 1994: Verlängerung auf 9 Monate
  • 1997: Verlängerung auf 12 Monate
  • 2002: Verlängerung auf 24 Monate
  • 2003: Wegfall der Überlassungshöchstdauer
  • 2017: Überlassungshöchstdauer von18 Monaten

Zeitarbeit 2020 – aktuelle Entwicklungen

Die Bundeagentur für Arbeit (BA) veröffentlichte 2020 erneut die Publikation “Aktuelle Entwicklungen in der Zeitarbeit“. Sie bietet einen detaillierten Überblick über relevante Fakten und Daten der Zeitarbeitsbranche. Die wichtigsten Erkenntnisse fassen wir für Sie zusammen.

Die Statistiken von 2018 und 2019 zeigen:

  • Im Jahresdurchschnitt waren 948.000 Leiharbeitnehmer in Deutschland sozialversicherungspflichtig oder ausschließlich geringfügig beschäftigt. Das bedeutet einen Leiharbeitnehmeranteil von 2,5 Prozent an der Gesamtbeschäftigung.
  • Geringqualifizierte, junge Menschen und Ausländer erhalten durch die Zeitarbeit eine gute Einstiegsmöglichkeit in den Arbeitsmarkt.:
    • 65 Prozent der Leiharbeitnehmer waren unmittelbar vorher nicht beschäftigt – 30 Prozent davon einen Monat bis unter einem Jahr nicht, 18 Prozent sogar länger als ein Jahr oder noch gar nicht. 332.000 Personen konnten durch die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in der Arbeitnehmerüberlassung ihre Arbeitslosigkeit beenden.
    • 49 Prozent der Leiharbeitnehmer sind unter 35 Jahre, 38 Prozent sind zwischen 35 bis unter 55 Jahre und 13 Prozent sind 55 Jahre oder älter.
    • 35 Prozent der Leiharbeitnehmer sind Ausländer. Zum Vergleich: Auf dem Gesamtarbeitsmarkt sind es nur 12 Prozent.
    • 31 Prozent der Leiharbeitnehmer haben keinen Berufsabschluss.
  • 93 Prozent der Leiharbeitnehmer waren sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 15 Prozent davon arbeiteten in Teilzeit.
  • Leiharbeitskräfte arbeiteten vor allem in folgenden Tätigkeitsfeldern:
    • Produktionsberufe (40 %)
    • Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungsberufe (33 %)
    • Personenbezogene Dienstleistungsberufe (14 %)
    • Kaufmännische und unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe (11 %)
    • IT- und naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe (2 %)

Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt die Arbeitnehmerüberlassung zudem als “Frühindikator für die Entwicklung am Arbeitsmarkt” und schreibt ihr eine hohe Dynamik zu. Zudem schreibt die Agentur den Zeitarbeitsfirmen und Personaldienstleistern eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Fachkräftemangel zu: In der “Fachkräfteengpassanalyse” wird betont, dass gerade moderne Dienslteistungen wie HR-Beratung, Personalvermittlung und weitere Spezialisierung gegen den Fachkräftemangel notwendig sein wird, der aktuell 86 Berufssparten betrifft.

“Die Zeitarbeit wird somit zur Personalabteilung der deutschen Wirtschaft, denn den vielfältigen Arbeitgebern in Deutschland vermitteln wir passgenau qualifizierte Beschäftigte, die unsere Kunden so wirtschaftlich voranbringen. Die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort, darin sind wir stark.”

Sebastian Lazay, Präsident des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister e.V. (BAP)

Entwicklung der Anzahl von Leiharbeitnehmern

Geschichte der Zeitarbeit

Bereits in den 1920er Jahren gab es in Deutschland erste Formen von Zeitarbeit. Jedoch entwickelte sich die Arbeitnehmerüberlassung, wie sie in ihrer heutigen Form bekannt ist, erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Laufe der Jahrzehnte hat sie einen umfassenden Wandel vollzogen, der bis heute anhält. Wir haben die wichtigsten Meilensteine für Sie zusammengefasst.

1948: Zwei Anwälte gründen im US-Bundesstaat Milwaukee die erste Zeitarbeitsfirma.

1956: Die ersten Zeitarbeitsfirmen Europas werden in London und Paris eröffnet.

1960: Ein Speditionskaufmann  gründet in Bremen das erste deutsche Zeitarbeitsunternehmen.

1962: In Hamburg wird eine Niederlassung einer Schweizer Zeitarbeitsfirma eröffnet. Die Bundesanstalt für Arbeit stellt einen Strafantrag, da sie ihre Monopolstellung in der Arbeitsvermittlung bedroht sieht.

1967: Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entscheidet, dass Zeitarbeit bzw. Leiharbeit mit dem Recht der freien Berufswahl vereinbar ist. Das staatliche Monopol auf die gewerbsmäßige Arbeitnehmerüberlassung wird für verfassungswidrig erklärt.

1972: Das Gesetz zur Regelung der gewerbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung (AÜG) tritt in Kraft.

1982: Die Arbeitnehmerüberlassung in Betrieben des Baugewerbes für Arbeiten, die üblicherweise von Arbeitern verrichtet werden, wird gesetzlich verboten.

1985-2002: Erweiterung der Überlassungshöchstdauer

  • 1985: 6 Monate
  • 1994: 9 Monate
  • 1997: 12 Monate
  • 2002: 24 Monate

1994: Die private gewerbsmäßige Arbeitsvermittlung ist ab jetzt zulässig.

2002: Das 1. Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt wird verabschiedet.

2004: Änderung der Rahmenbedingungen für die Arbeitnehmerüberlassung im Zuge der sog. „Hartz-Vorschläge“. Die Begrenzung der Überlassungshöchstdauer wird aufgehoben, Equal Treatment und Equal Pay werden eingeführt.

2008: Das Europäische Parlament verabschiedet die EU-Richtlinie für Zeitarbeit. Sie tritt 2011 in Kraft.

2012: Einführung einer allgemeinverbindlichen Lohnuntergrenze und der Branchenzuschläge.

2013-2017: Die mit dem Koalitionsvertrag von SPD und CDU/CSU auf den Weg gebrachte AÜG-Reform wird zum Streitfall. Mehrmals werden die von Andrea Nahles vorgebrachten Entwürfe abgelehnt, bevor es zu einer Einigung kommt.

01.04.2017:  Das „Gesetz zur Änderung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes und anderer Gesetze“ tritt in Kraft.

2018: Eine Petition zur Abschaffung der Überlassungshöchstdauer wird vom Bundestag abgelehnt. Im selben Jahr fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Überlassungshöchstdauer auf den Arbeitsplatz, nicht auf den konkreten Leiharbeitnehmer zu beziehen.

2019: Ende 2019 wurde das Gehalt für Leiharbeitnehmer neu verhandelt und wird infolgedessen bis 2022 schrittweise in Ost und West erhöht.

Neuste Beiträge

Hinterlassen Sie ein Kommentar

Kontakt

Schreiben Sie uns!

Tippen Sie Ihre Suchanfrage ein und drücken Sie "Enter" zum Suchen

Zeitarbeit SicherheitEntgelttabellen und Entgeltgruppen auf einem Clipboard